Willkommen, Professorin Marie Düker
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Was waren die wichtigsten Stationen in Ihrer wissenschaftlichen Laufbahn?
Mein Weg in die Forschung begann nicht mit einem langfristigen Plan, sondern im sechsten Semester meines Mathematikstudiums mit einer studentischen Hilfskraftstelle am Institut für Hydrologie der Ruhr-Universität Bochum. Dort habe ich zum ersten Mal erlebt, wie aus einer konkreten Anwendungsfrage eine mathematische Forschungsfrage wird. Die Arbeit mit realen Messdaten weckte mein Interesse an Statistik und prägte meinen weiteren wissenschaftlichen Weg entscheidend.
Während meiner Promotion in Mathematik an der Ruhr-Universität Bochum war ich lange als Visiting Scholar am Department of Statistics and Operations Research der University of North Carolina at Chapel Hill (USA) tätig. Durch neue Vorlesungsinhalte und -formate, unterschiedliche Sichtweisen und eine stärker diskussionsorientierte Lehrkultur lernte ich die Statistik dabei noch einmal aus einer anderen Perspektive kennen. Besonders wertvoll sind die Freundschaften und Kooperationen, die in dieser Zeit entstanden und bis heute bestehen.
Nach meiner Promotion forschte ich als PostDoc am Department of Statistics and Data Science der Cornell University (USA). Anschließend war ich als Assistant Professor an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg tätig, bevor ich an die Technische Universität München (TUM) wechselte.
Was sind Ihre Forschungsschwerpunkte?
Ich entwickle statistische Theorien und Methoden für komplexe – insbesondere hochdimensionale, zeitlich abhängige und funktionale – Daten. Bei hochdimensionalen Daten werden sehr viele Merkmale gleichzeitig betrachtet. Bei Zeitreihen geht es um Beobachtungen, die über die Zeit miteinander zusammenhängen. Funktionale Daten wiederum bestehen nicht nur aus einzelnen Messwerten, sondern beispielsweise aus ganzen Kurven oder zeitlichen Verläufen.
Mich interessiert besonders, wie sich auch dann verlässliche Aussagen treffen lassen, wenn klassische statistische Annahmen nicht erfüllt sind, etwa bei langfristigen Abhängigkeiten, sich verändernden Datenstrukturen oder Strukturbrüchen. Mein Ziel ist es, Verfahren zu entwickeln, die mathematisch gut begründet und zugleich für reale wissenschaftliche Fragestellungen nützlich sind – unter anderem in der Ökonometrie, den Neurowissenschaften, der Chemie und der Ökologie.
Worauf freuen Sie sich in Ihrer neuen Position an der TUM am meisten?
Ich freue mich besonders auf die Zusammenarbeit mit den Studierenden und Kolleg:innen sowie auf das lebendige, inspirierende Forschungsumfeld der TUM. Gerade im Austausch über Fachgrenzen hinweg entstehen häufig neue Fragen und Perspektiven – und vielleicht Forschungsschwerpunkte, die heute noch gar nicht auf meiner Agenda stehen. Darüber hinaus möchte ich mich in Gleichstellungs- und Nachwuchsförderungsprojekten engagieren.
Auch in der Lehre sehe ich die Chance, neue Wege zu gehen und innovative Vorlesungen zu entwickeln. Besonders spannend finde ich die Frage, wie gute mathematische Lehre im Zeitalter generativer KI aussehen kann: Welche Aufgaben fördern echtes Verständnis? Wie lernen Studierende, Ergebnisse kritisch zu prüfen? Und an welchen Stellen kann KI sinnvoll unterstützen?
Was war Ihr größter wissenschaftlicher „Aha-Moment“?
Bei meiner Arbeit zur hochdimensionalen Statistik wurde mir früh bewusst, wie kreativ mathematische Forschung ist. In hochdimensionalen Räumen funktioniert unsere gewohnte geometrische Intuition häufig nicht mehr. Man muss daher neue Vorstellungen entwickeln, unterschiedliche Perspektiven ausprobieren und manchmal ganz unerwartete Verbindungen herstellen. Gerade diese Suche nach innovativen Methoden und Denkweisen sowie der kreative Umgang mit komplexen Problemen machen Forschung für mich so faszinierend.
Was steht ganz oben auf Ihrer persönlichen Bucket List?
Zunächst möchte ich München und die Berge vor der Haustür noch besser kennenlernen – beim Wandern und Klettern. Außerdem freue ich mich besonders darauf, meinen Nichten München zu zeigen und die Stadt dabei noch einmal mit ihren Augen zu entdecken.