Bei der 23. International Conference on Business Process Management (BPM) in Sevilla hat Ingo Weber mit Xiwei Xu, Régis Riveret, Guido Governatori, Alexander Ponomarev und Jan Mendling den BPM Test-of-Time Award 2025 erhalten. In ihrem vielfach zitierten Paper „Untrusted Business Process Monitoring and Execution Using Blockchain” befassen sich die Autoren mit dem grundlegenden Vertrauensproblem bei der Ausführung kollaborativer Geschäftsprozesse – beispielsweise in Lieferketten mit mehreren Beteiligten.
Blockchain: Neue Technologie zur Ausführung kollaborative Geschäftsprozesse
Während traditionelle Ansätze die Einigung auf eine einzige vertrauenswürdige Partei zur Kontrolle und Überwachung der gemeinsamen Geschäftsprozesse erfordern, stellte der Artikel im Jahr 2016 eine damals bahnbrechende Lösung vor: die Verwendung der Blockchain. Dabei handelt es sich um eine Technologie für den dezentralen und transaktionalen Datenaustausch, die von vielen Computern gemeinsam genutzt, jedoch von keiner einzelnen Partei kontrolliert wird. Dadurch ist eine Manipulation der aufgezeichneten Informationen nahezu unmöglich. Zudem können spezielle Programme auf der Blockchain manipulationssicher ausgeführt werden – im Fall des Artikels um Teile eines Prozesses zu implementieren. Die Blockchain ermöglicht Unternehmen damit zusammenzuarbeiten, ohne einer einzelnen Partei vertrauen zu müssen.
Seit seiner Veröffentlichung hat das Paper eine neue Forschungsrichtung an der Schnittstelle von Geschäftsprozessmanagement und Blockchain-Technologie angestoßen, die sich seitdem zu einem bedeutenden Forschungsgebiet entwickelt hat. Als erster umfassender Ansatz zur Ausführung kollaborativer Geschäftsprozesse auf der Blockchain schuf die Arbeit außerdem die technologische Grundlage für ein dezentrales Geschäftsprozessmanagement. Dieses ermöglicht es Unternehmen, ohne Autonomieverlust oder zentralisierte Kontrolle effizient zusammenzuarbeiten.
Korrelationsbasiertes Überwachungssystem für einen sicheren Cloud-Betrieb
Zudem hat Ingo Weber mit Mostafa Farshchi, Jean-Guy Schneider und John Grundy den IEEE ISSRE 2025 Test-of-Time Award für die Arbeit „Anomaly Detection of Cloud Application Operations Using Log and Cloud Metric Correlation Analysis“ erhalten. In ihrem 2015 beim International Symposium on Software Reliability Engineering (ISSRE) des Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) veröffentlichten Paper stellen die Autoren eine Lösung zur Erkennung von Anomalien bei Anwendungsvorgängen in Cloud-Umgebungen vor.
Das Scheitern solcher Vorgänge – etwa bei Software-Upgrades, Backups oder Neuinstallationen – ist eine der Hauptursachen für systemweite Ausfälle. Obwohl moderne Cloud-Systeme jede Minute eine überwältigende Menge an Überwachungsinformationen generieren, bleibt die Fehlererkennung schwierig, denn die beiden wichtigsten Datenquellen werden in der Regel getrennt voneinander untersucht:
- „Logs“ geben Auskunft darüber, welche Aktionen stattgefunden haben.
- „Metrics“ geben Auskunft über die Leistung des Systems.
Tritt während eines Vorgangs ein Fehler auf, ist es äußerst schwierig, diese separaten Informationsströme in Echtzeit miteinander zu verknüpfen. Mithilfe einer regressionsbasierten Analysetechnik haben Weber und seine Kollegen in ihrer Arbeit ein automatisiertes Überwachungssystem entwickelt, das die Korrelation zwischen Logs und Metrics ermittelt und so die Zusammenhänge zwischen Anwendungsvorgängen und deren Auswirkungen auf die Cloud-Ressourcen lernt.
Ihr Paper hat gezeigt, dass eine effektive Überwachung nicht nur das Sammeln, sondern auch das Korrelieren von Informationen erfordert, um Betriebsstörungen in Echtzeit zu erkennen. Der Ansatz ist heute Standard im Cloud-Betrieb. Bereits 2015 wurde die Arbeit mit dem Best Paper Award des ISSRE ausgezeichnet, da sie die Sichtweise auf die Überwachung komplexer Systeme frühzeitig geprägt hat. Inzwischen hat sich die Methode zu einem zentralen Bestandteil moderner Monitoring-Praktiken entwickelt.
